FREUNDESKREIS
Der Freundeskreis Heinrich Campendonk e. V. wurde im Juli 2010 in Penzberg gegründet ...
MITGLIEDSCHAFT
Unterstützen SIe die kulturellen Aktivitäten des Freundeskreises...
AKTUELLES
Informieren Sie sich über die Termine des Freundeskreises und über aktuelle Hinweise...
HEINRICH CAMPENDONK – LEBEN UND WERK




Garten in der Moerserstraße, um 1907




Grüner Kruzifixus in Bayerischer Landschaft, um 1913


Heinrich Campendonk,
Sturmpostkarte, 1916


Penberger Reiter, 1918



Villa Merländer, NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld



Passionsfenster
Passionsfenster, 1937
Katholische Stadtpfarrkirche Christkönig, Penzberg (Zweitausführung)



protrait alt

Heinrich Campendonk, 1947

3kuheundschmetterling
Drei Kühe mit Schnecke und Schmetterling, um 1947

ANFÄNGE IM RHEINLAND

Mathias Heinrich Ernst Campendonk stammte ursprünglich aus dem Rheinland.
1889 wird er in Krefeld geboren. An der dortigen Handwerker- und Kunstgewerbeschule absolviert er eine künstlerische Ausbildung. Der Niederländer Johan Thorn Prikker nimmt als Lehrer maßgeblich Einfluss auf seine Ausbildung, die seitens des Elternhauses nur mäßig unterstützt wird.

1908 muss er auf Wunsch des Vaters die Schule verlassen, behält aber die künstlerische Laufbahn bei und knüpft ab 1910 auf Vermittlung von August Macke Kontakte nach München zur losen Künstlervereinigung Blauer Reiter um Wassily Kandinsky und Franz Marc.

JAHRE IN OBERBAYERN

Im Oktober 1911 reist Heinrich Campendonk auf Einladung von Franz Marc und August Macke nach: Sindelsdorf - O´`bayern, Station Penzberg, wie es die Datumszeilen seiner Briefe dokumentieren.

Biographisch ist dies der Beginn eines rund 10-jährigen Aufenthaltes in Sindelsdorf und Urthal nahe der damaligen Bergarbeiterstadt Penzberg, ab 1915 in Seeshaupt am Starnberger See. Hier in Oberbayern heiratet er 1913 seine enge Vertraute Adda Deichmann aus Krefeld. 1915 werden sein Sohn Herbert, 1918 seine Tochter Gisela geboren.

Als jüngstes Mitglied der Gruppe ist Heinrich Campendonk 1911 an der ersten Ausstellung des Blauen Reiters in der Galerie Thannhauser in München mit den Werken Springendes Pferd, Frau und Tier und einem Hinterglasbild vertreten.
Weitere Ausstellungsbeteiligungen folgen, Sammler wie Bernhard Koehler interessieren sich für seine Arbeiten, Galerien zeigen und verkaufen seine Bilder, was materielle Sicherheit schafft.

Die Teilnahme 1913 an den Ausstellungen „Rheinische Expressionisten in Bonn“ und am „Ersten Deutschen Herbstsalon“ in Herwarth Waldens Galerie DER STURM in Berlin, eine der maßgeblichen Ausstellungen zur sog. Klassischen Moderne vor dem 1. Weltkrieg, sprechen für die wachsende Anerkennung seiner Werke.

In seiner künstlerischen Entwicklung legt Heinrich Campendonk in diesen Jahren den Grundstein für ein Werk, das heute international Anerkennung findet. Es entstehen grundlegende Arbeiten in allen Techniken – vom Ölbild verschiedener Größe über das lichte Aquarell und die eigenständige Tuschpinselzeichnung hin zu Hinterglas- und Holzschnittarbeiten, mit denen Form und Farbe, Fülle und Reduktion erprobt und für sich selbst formuliert werden.

In Oberbayern entwickelt er die ihm eigene Bildersprache und seine ihm eigene tiefgründige Bilderwelt, die der Betrachter als Entwicklungen, Brüche und Kontinuitäten in vielen seiner Werke wahrnimmt.

Penzbergs künstlerischer Zeitzeuge

1919 malt Heinrich Campendonk die sog. Penzberger Bilder – Werke, die mit ihren Motiven immer wieder Bezug auf die damalige Geschichte dieser Stadt im bayerischen Voralpenland nehmen. Rückblickend hat er der Stadt damit ein kunsthistorisches Denkmal gesetzt.

Der Künstler erlebte Penzberg als junge Bergarbeiterstadt – seit etwa 1850 langsam als Ansiedlung der zugewanderten Bergleute und ihrer Familien entstanden, wird das junge Gemeinwesen erst 1911 zur Stadt erhoben. Blicke in die Wohnstuben, künstlerisch in Öl, Aquarell oder Holzschnitt umgesetzt, halten für uns bis heute Momente aus dem damaligen armen Arbeiterleben fest.

Spezifische Häuser- und Dreiecksformen, diagonal gesetzte Bildelemente, ein Karrenmotiv oder die Seilbahn der Berghalde verweisen auf eine heute auch schon wieder Geschichte gewordene Arbeitswelt, da das Bergwerk 1966 geschlossen wurde.


ZURÜCK IN KREFELD UND DÜSSELDORF

1923 kehrt Heinrich Campendonk ins Rheinland zurück. Er folgt zuerst einem Ruf an die Kunstgewerbeschule in Essen. 1926 wird er Nachfolger von Johan Thorn Prikker an der Kunstakademie in Düsseldorf als Leiter der Klasse für Monumentalmalerei.
Sein Werk in den folgenden Jahren ist hauptsächlich geprägt von großformatigen Arbeiten. Es entstehen Bühnenbilder, Wandmalereien, wie das Spielezimmer der Villa Merländer in Krefeld (heute NS-Dokumentationsstelle) und in der Glasmalerei Fensterentwürfe für Hamburg, Bonn, Vochem und Düsseldorf. Die seit 1921 bestehenden Kontakte nach Amerika, hauptsächlich über die Kunstfreundin Katherine Sophie Dreier, ermöglichen 1925 eine erste Einzelausstellung mit 34 Gemälden in New York.

1929 begegnet er der flämischen Künstlerin Edith van Leckwyck, die seine neue Lebensgefährtin wird. Die Scheidung von Adelheid Campendonk-Deichmann erfolgt 1932, der Kontakt zur Familie und den Kindern bleibt zeitlebens erhalten. Sein Sohn Herbert Campendonk ist später maßgeblich mit an der Wiederentdeckung Heinrich Campendonks für die Nachwelt beteiligt.


NATIONALSOZIALISTISCHES REGIME IN DEUTSCHLAND
UND EMIGRATION NACH HOLLAND


Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird Heinrich Campendonk 1933 von seinem Amt an der Kunstakademie zwangsbeurlaubt und 1934 in den Zwangsruhestand versetzt. Er emigriert zuerst nach Antwerpen zu Edith van Leckwyck, dann weiter nach Amsterdam, wo er 1935 auf den Lehrstuhl für monumentale en versierende schilderkunst an der Rijksakademie berufen wird.

1937 werden 87 Werke Heinrich Campendonks aus deutschen Museen und Galerien als „entartete Kunst“ beschlagnahmt und sechs seiner Werke werden in der gleichnamigen Ausstellung in München dem Publikum gezeigt. Hauptkritikpunkte sind die Art, wie er die Farbe verwendet und die Formen auflöst.

Im gleichen Jahr gewinnt er auf der Weltausstellung in Paris mit einem im niederländischen Pavillon gezeigten Glasfenster in Konkurrenz zu Pablo Picassos Guernica den Grand Prix. Dieses als Triptychon gestaltete Passionsfenster nimmt wieder Bezug zur Penzberger Stadtgeschichte und ist heute in der Stadtpfarrkirche Christkönig in Penzberg als Zweitausführung zu bewundern.

Mit dem Einmarsch der Deutschen Armee 1940 in die Niederlande ist Heinrich Campendonk wiederholt Repressalien ausgesetzt. Kurz vor Kriegsende taucht er sogar unter, aus Furcht vor Verfolgung.

KEINE RÜCKKEHR MEHR?

Nach Kriegsende kann Heinrich Campendonk an frühere Erfolge anknüpfen. Es folgen Ausstellungsbeteiligungen in Deutschland und in den USA. Neue Aufträge für Fenster ergeben sich, u.a. für die Neugestaltung des Nordfensters im Kölner Dom. Aus Krankheitsgründen kommt es aber nicht zur Fertigstellung. Heute schmückt ein Teilstück des Entwurfes - das Jesaiafenster - das Heinrich Campendonk zusammen mit der Glasfirma Hein Derix, Kevelaer, noch zur Probe angefertigt hat, ebenfalls die Stadtpfarrkirche Christkönig in Penzberg.

Obwohl an einer Rückkehr nach Deutschland interessiert, scheitert Heinrich Campendonks Bemühen an bürokratischen Hürden und gesundheitlichen Problemen.

1952 wird er pensioniert.

1955 werden Werke Heinrich Campendonks auf der documenta 1 in Kassel ausgestellt.

1956 erreichen ihn Auszeichnungen der niederländischen Regierung und der Stadt Amsterdam - der Quellinus-Preis und die Ernennung zum Ritter vom Orden De Neederlandse Leeuw.

1957 stirbt Heinrich Campendonk in Amsterdam und wird auf dem Friedhof Buitenveldert beigesetzt.

Seit etwa 2000 werden seine Arbeiten wieder vermehrt dem Publikum in Ausstellungen präsentiert und mit Publikationen Leben und Werk dokumentiert.

2010 erwirbt ein kunstinteressierter Förderer 89 Werke aus dem Nachlass Heinrich Campendonks und stellt die Werke der Stadt Penzberg in Oberbayern als Dauerleihgabe zur Verfügung.

 

mail@heinrich-campendonk.de

FREUNDESKREIS HEINRICH CAMPENDONK·Tel. +49 (0) 88 56 - 818 30 Impressum